München: Survival of the Richest


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Liebes München,

Ich schreibe Dir diese Zeilen aus dem Exil.

Denn nach 17 Jahren in Deinem Herzen hast Du „Weltstadt mit Herz“ mich ja recht unherzlich vor die Tür gesetzt. „Schau, dass du Land gewinnst“, hast Du mir spöttisch hinterher gerufen, weil ich in der Stadt ja nur verlieren konnte.

Und so bin ich nun also hier. Auf dem Land. Ein Verbannter, genährt in der Gegenwart von den Erinnerungen an das Vergangene.

Ach, München…

Du warst meine Leidenschaft, meine Liebe, warst meine Droge. Immer noch hänge ich an der Nadel, beim Blick in die Ferne, wo sich die vertraute Silhouette als feine Kanüle vom Horizont abhebt. Hallo, Oly-Turm.

Ich weiß, die Schuld liegt bei mir. Ich war naiv, war blind. Geblendet von meiner Liebe zu Dir. Und so habe ich diesen unverzeihlichen Fehler begangen. Ich habe eine Familie gegründet – mea culpa! Dabei wollte ich Dir doch nur etwas zurückgeben. Aus Dankbarkeit, dass Du mir Heimat sein konntest. Ein Schwabinger Dirndl und eins aus der Isarvorstadt.

Verliebte…. sie machen bisweilen nun mal dumme Sachen. Dabei hattest Du mich doch gewarnt, als ich Dir das erste Kindl schenkte. Kein Wohlstands-Balg nach Businessplan, hektisch aus der Hüfte geschossen, in einer kurzen Atempause der Karriere, geparkt dann zwischen Luxus-KiTa und Au-pair.

Nein, ein Kind der Liebe, ein Bastard wohl in Deinen Augen. Und dennoch: Du hast ihn – sie! – geduldet, hast sie mit offener Hand empfangen. Oh ja, Du hieltest die Hand stets offen. Für wuchernde Miete und KiTA-Kotau. Ich weiß, es war mein Fehler. Du magst jene mit zwei Wagen und allerhöchstens einem Blagen. Bei mir ist’s genau andersrum. Dumm.

Und so sind wir jetzt zu viert.

Zu viel für Dich und Deine Denkart aus Ignoranz und Dekadenz. Wir schauen aus der Ferne zu, wie immer mehr uns folgen, Geldbeutel leer und Schnauze voll, wir haben Dich verstanden.

Du selektierst und Du siebst aus, Familien sind hier unerwünscht. Survival of the Richest.

Ach, München. Wer Dich geliebt hat, der kann Dich niemals hassen. Das, so denke ich, dachte ich mal. Ich habe mich getäuscht. Weltstadt mit Herz? – Deine billige Liebe muss man sich teuer erkaufen, so schaut’s aus!

Ich also schaue, dass ich Land gewinne.

Und Du, Minga, leckst mi am Oarsch!

Servus,

Michael

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