NOlympia: Ein Sieg der Vernunft!


Olympia

Jetzt ist es also entschieden: Es wird 2022 keine Olympischen Winterspiele für München geben. Und das ist auch gut so!

Zugegeben, bei meinen ersten bewusst wahrgenommen Spielen 1984 in Los Angeles fand ich das Ganze auch noch ganz klasse.

Die Olympische Idee, der völkerverbindende Gedanke, das ganze Friede-Freude-Eierkuchen-Ballyhoo im Fackelschein wirkte auf mich trotz Sowjet-Boykott authentisch.

Aber ich war acht und glaubte wohl auch noch an den Weihnachtsmann. Mittlerweile weiß ich es besser.

LA 1984 waren schließlich jene Spiele, in denen dem privatwirtschaftlichen Kommerz seitens des IOC für alle Zukunft Tür und Tor geöffnet wurde. Die Ideale von Olympia, so es sie denn mal gab, werden seitdem von Coca-Cola, American Express, Sony & Co. gewinnbringend verramscht.

Kein Votum gegen den Sport!

Und das ist der Grund, warum kluge Bürger mit Besonnenheit gegen Olympia stimmten. Wer nun von „Schande“ und „Dummheit“ spricht, der hat nichts verstanden. Es war kein Votum gegen den Sport, sondern eines für die Vernunft.

Es ist grotesk, wenn sich nun die Empörer von Kiel bis Freiburg aus allen Ecken der Nation melden und die tatsächlich Betroffenen aus den bayrischen Regionen München, Garmisch, Berchtesgaden und Traunstein als hinterwäldlerische Dummbeutel beleidigen.

Es ist die hysterische Empörung von Menschen, die die schützenswerte Einzigartigkeit des Münchner Voralpenlands bestenfalls von einer Kandahar-Übertragung aus dem Fernsehen kennen.

Man tut gerade so, als seien die Betroffenen nun verantwortlich für den Zusammenbruch des Bruttoinlandsproduktes und des Ansehens Deutschlands in der Welt. Dabei macht man es sich leicht und schenkt den Beweggründen der Menschen keine Beachtung. Warum wurde denn dagegen gestimmt? Woher kommt diese Ablehnung? – Die Gründe nicht zu kennen und dennoch zu (ver)urteilen, ist ignorant.

Das IOC hat ein Glaubwürdigkeitsdefizit

Dabei hatten einige Menschen in den Austragungsorten berechtigte Bedenken um die Nachhaltigkeit bei massiven Eingriffen in die Natur. Andere trieben schlichtweg existenzielle Ängste an die Wahlurne. Und sehr viele durchschauten ganz einfach das perfide System der schnellen Bereicherung einer wirtschaftselitären Minderheit auf Kosten der Mehrheit.

Für viele gibt es zudem Wichtigeres als Olympische Spiele. Notwendigeres, was weitaus dringlicher und einfacher zu finanzieren wäre. Seien es bezahlbare Mietwohnungen oder auch die so dringend benötigten bezahlbaren Kinderbetreuungsplätze.

Es liegt doch nicht an den „Nein!“-Wählern, dass man den korrumpierten Machtapparaten des globalisierten Sports nicht mehr über den Weg traut und die süß vergifteten Köder von FIFA, UEFA und vor allem auch IOC nicht mehr schlucken mag.

Dort logiert man schließlich in den obersten Etagen verspiegelter Elfenbeintürme, aus denen man die nüchterne Realität am Boden schon gar nicht mehr erkennen kann.

Reibach unter Ringen

Olympische Spiele versprechen einen gigantischen Reibach. Nicht jedoch für den unbedeutenden „JA!“-Wähler, der mit seinem Votum die Gelddruckmaschine erst in Gang setzt. Profiteure sind das IOC und globale Wirtschaftsunternehmen.

Mit Knebelverträgen sichern sie sich alle Rechte, alle Pflichten liegen beim Gastgeber. Jegliche Folgekosten ebenso, denn nach rund zwei Wochen Halligalli zieht die Karawane mit prall gefüllten Taschen weiter.

In München, Garmisch, Traunstein und Berchtesgaden hat man sich nun gegen diesen durchschaubaren Wahnsinn gewehrt. Auf ganz legitime und demokratische Weise.

Dafür haben diese Wähler meinen Respekt und meinen Dank. München kann stolz auf sie sein.

BRquer durchleuchtet den Olympia-Hype:

Quelle Titelbild: Wolfgang Dirscherl / pixelio.de

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