Ein laues Lüftchen nach dem Sturm


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Eines vorweg: Ich finde es gut, dass die Bundesregierung in einer ersten Soforthilfe 500.000 Euro für die Taifun-Opfer auf den Philippinen zur Verfügung stellte.

Und ich finde es noch besser, dass sie nun noch mal mit einer Million Euro nachlegt.

Am besten fände ich aber, wenn hier mit der gleichen Selbstverständlichkeit und Generosität Not leidenden Menschen geholfen werden würde, wie man „Not leidenden Banken“ mit Abermilliarden von Euro geholfen hat, die persönliche Haftung für eine selbstverschuldete Megakrise auf die Steuerzahler abzuwälzen. Denn gemessen daran, sind die 1,5 Millionen Euro für die Philippinen ein laues Lüftchen nach dem Sturm.

Man muss gar nicht erst auf den gigantischen Rettungsschirm ESM blicken, wo sich abzeichnet, dass die 500 Milliarden Euro an Haftungssumme ohnehin nicht ausreichen, da Europas Banken das Doppelte benötigen. Für sich selbst. Denn die Bereitschaft der Geldhäuser, diese Steuergelder auch wieder in Form von Unternehmenskrediten an die Realwirtschaft zurückzugeben ist gering.

Merkel: Rette sich, wer kann! Wir retten Banken…

Allein in Deutschland wurden marode Kredithäuser mit über 70 Milliarden Euro aus der Öffentlichen Hand gerettet, während sich die verantwortlichen Zocker diebisch ins Fäustchen lachten und… mittlerweile viele wieder munter weiterzocken, da sich Angela Merkel nicht mehr an etwaige Versprechen aus dem März 2013 erinnern mag: „Wir wollen nicht, dass die Steuerzahler Banken retten müssen, sondern, dass Banken sich selber retten.“

Die Menschen auf den Philippinen können sich angesichts des verheerenden Ausmaßes der Katastrophe nicht mehr selbst helfen. Das Geld wird dringend gebraucht. Jetzt sofort und wohl noch über viele Monate hinaus.

Denn wenn man sich die Bilder dieser unvorstellbaren Zerstörung vor Augen führt, kann man als Unbeteiligter gar nicht erahnen, welche furchtbaren Dramen und Tragödien sich in diesem naturkatastrophalen Horror für die betroffenen Menschen abspielen.

Im spendenfreudigen Deutschland ist die Bereitschaft, diese tatsächliche Not mit zusätzlichen Steuergeldern zu milden, vorhanden.

Die Verhältnismäßigkeit ist grotesk

Schließlich geht es um Menschlichkeit, um Empathie. Diese konnte man nicht erwarten, als die Bundesregierung hinter der Finanzmarktlobby devot in die Knie ging, um gierigen Banken aberwitzige Summen aus der öffentlichen Hand in den Allerwertesten zu blasen. Statt Privatvermögen von Vorständen und Aufsichtsräten, könnte man auf den Philippinen schon mit weit weniger echtes Menschenleben retten.

Doch am traurigen Beispiel der Philippinen zeigt sich recht anschaulich, wie die Prioritäten gesetzt sind, ein fieser Taifun ist eben kein faules Derivat. Die insgesamt 1,5 Millionen Euro an Hilfsgeldern stehen zu den Unsummen der „Hilfsbereitschaft“ für verachtenswerte Bankgeschäfte in einem grotesken Verhältnis.

Überraschend ist das nicht in einem Land, in dem die Regierung dermaßen dilettiert, dass sie hinter den Kulissen ihre erschreckende Unfähigkeit eingestehen muss und mit einem Heer aus Beratern dem Lobbyismus Tür und Tor öffnet. Gerne auch mit Rotem Teppich, wie die Geburstagsparty des damaligen Deutsche-Bank-Chefs Josef Ackermann 2009 im Kanzleramt zeigte, die ihm Merkel mit besten Glückwünschen vom ungefragten Steuerzahler spendiert hatte.

Wer keinen Plan hat, braucht Berater

Seit 2009 wurde somit fast eine Milliarde Euro an Steuergeldern für externe Berater ausgeschüttet. Allein das Entwicklungshilfeministerium verschleuderte über 8,5 Millionen, also das Fünfeinhalbfache der Philippinen-Hilfe.

Dass diese lobbyistische Fremdsteuerung nicht gerade den politischen Altruismus fördert, ist klar. So hatte sich beispielsweise Deutschland bereits 1970 dazu verpflichtet, die Entwicklungshilfeausgaben auf 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts anzuheben. Mit 0,47 Prozent kam man diesem Ziel bislang am nächsten – vor genau 30 Jahren. Seit dem ging es lange Zeit bergab, um sich nun bei 0,38 Prozent einzupendeln. Tendenz wieder fallend.

Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Aber man darf durchaus mal den Schwanz heben, um zu schauen, was letztlich hinten rauskommt. Und manchmal hat man eben das Gefühl, dass die ganze Sache doch ein wenig stinkt.

Deshalb sind die Hilfsgelder für die „Haiyan“-Tragödie auf den Philippinen vor allem eines: das Mindeste. Denn sonderlich lobenswert sind sie nicht.

Der Autor auf Twitter: @textepartisan

Spenden-Tipp für die Opfer der Sturmkatastrophe:

Ärzte ohne Grenzen e.V.
Konto 97097
Bank für Sozialwirtschaft
BLZ 370 205 00
Stichwort: „Philippinen und andere“

WEITERE Spendenkontakte

Bildquelle: Christoph Boltendahl / pixelio.de

3 Gedanken zu „Ein laues Lüftchen nach dem Sturm

  1. Es ist zwar immer noch relativ wenig, verglichen mit anderen Ausgaben der Bundesregierung, aber zumindest sind es mittlerweile 6,5 Mio. Euro, die aus Deutschland kommen. Bei Schäden in Höhe von mindestens 6,5 Milliarden Euro natürlich immer noch ein laues Lüftchen. Schätzungen gehen zudem von bis zu 14 Milliarden Euro Schäden aus.

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    • Hallo Karl,

      Danke für das Update. Ja, es stimmt. Die Bundesregierung hat die finanzielle Hilfe erneut etwas der tatsächlichen Not angepasst. Die Schadenshöhe dürfte laut aktuellen Schätzungen wohl die 14,5 Milliarden erreichen. Das Fatale: davon ist nur sehr wenig von Versicherungen abgedeckt, Schätzungen zufolge lediglich ein Schadenswert in Höhe von 300 bis 700 Millionen Dollar. Hier ist also weiterhin jeder Euro sinnvoll gespendet.

      Viele Grüße

      TP

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      • Ja, in der Tat gehen Experten von bis zu 14,5 Milliarden Euro Schäden aus. So das Karlsruher Institut für Technologie. Und die Munich Re prognostiziert auf Grundlage ihrer Datenbank, dass in den kommenden Jahren weitere starke Taifune folgen. Sind zwar nur Prognosen, aber die sind leider wie bei Wahlen ziemlich treffsicher. Bester Schutz vor solchen Stürmen ist im Übrigen die Renaturierung, bspw. schützen Mangroven und Korallen die Küste. Zudem können die Böden durch Entwaldung nur noch wenig Wasser speichern, gerade bei Starkregen ein riesiges Problem. Aber bei der Renaturierung stehen natürlich wieder wirtschaftliche Interessen im Wege…

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