UN-Klimakonferenz: Der Gipfel der Scheinheiligkeit


Kraftwerk

Es mag schon sein, dass Tuvalu in den kommenden Jahren nicht im Ozean versinken wird, wie einige Wissenschaftler behaupten.

Aber vielleicht säuft der mickrige Inselstaat dann eben in ein paar Jahrzehnten ab? Denn dass die Meeresspiegel steigen werden ist kein Endzeitszenario bekiffter Öko-Aktivisten.

Ob in Jahren, Jahrzehnten oder zwei Jahrhunderten – solche Maßstäbe sind dem Blauen Planeten im erdgeschichtlichen Kontext nicht mal eine vage Erinnerung wert. Für uns Staubgeborene ist so eine Entwicklung aber durchaus relevant.

Denn obwohl wir unser Leben dem Takt von Sekunde, Minute und Stunde unterworfen haben, rechnen wir auch in Generationen, weil dieses Leben nun mal vergänglich ist.

Und hier setzt die Verantwortung an!

Das Bewusstsein für die Konsequenzen unseres Handelns für nachfolgende Generationen – mit Blick auf die UN-Weltklimakonferenzen in Warschau vor allem das Bewusstsein für die Konsequenzen unseres Nicht-Handelns.

Schließlich darf man in dieses alljährliche Kasperltheater der Vereinten Nationen getrost so viel Hoffnung investieren wie Biobauern in ein Gemüsefeld bei Fukushima.

Und damit will ich mich auch gar nicht weiter über Sinn und Unsinn dieser internationalen Schnittchenfresserei auslassen, sondern passend zur 19. UN-Klimakonferenz einen Text wiederbeleben, den ich bereits 2004 zum 10. Jubiläum dieser Gipfel-Farce geschrieben hatte.

Ob Tuvalu nun also bald durch den Schnorchel atmet oder nicht, ist dabei eher nebensächlich. Es geht darum, dass selbstgefällige Staatenlenker ihre opportunistische Gleichgültigkeit zum Prinzip erhoben haben.

Die Vernunft hat keinerlei Chance gegen die multinationale Heterogenität ökonomischer Eigeninteressen. Angesichts der Systematik von ungenierter Ignoranz und perfider Scheinheiligkeit sehe ich meine Gedanken als Antwort auf den Zynismus einer jeden Weltklimakonferenz.

Bye Bye Tuvalu!

Träumen wir noch, oder leben wir schon?
Überleben wir noch, oder sterben wir schon?
Erleben wir unser kollektives Ableben? – Jetzt, soeben?
Quo vadis, 21. Jahrhundert?

Tuvalu wird nicht überleben.
Tuvalu, Menetekel unserer Zeit.
So friedvoll liegst Du eingereiht,
zwischen Australien, Deinem großen Bruder
und Hawaii – ist auch nicht weit.

Tut uns leid! Es ging nicht anders.
Wir sind halt so, sind Progressive.
Da bleibt kein Platz für Südseeinseln,
nicht für tief gelegene Paradiese.

Ach Tuvalu, gib doch Ruh‘,
und versinke in den Fluten,
wie auch Atlantis seinerzeit,
in nur wenigen Minuten.

Teil‘ das Schicksal, werde Mythos!

Klagen willst Du?
Willst Dich wehren?
Gegen uns Götter aufbegehren?
Ach Tuvalu, unbedeutend kleines Tuvalu.

Nimm Dir den besten Anwalt!
Nimm Dir drei!
Der Sieger ist, bleibt CO2.
Schau uns doch an!
Uns, die wir hier oben thronen:
Elfenbeintürme, Industrienationen.
Ach Tuvalu, unbedeutend kleines Tuvalu.

Tiefster Winter, 20 Grad!
Tolles Wetter, Sonnenbad!

Wann fing das an? Hört es je auf?
Wann erkennen wir die Zeichen?
Hocharrogant, zutiefst dekadent,
gehen wir über unsre eigenen Leichen.

Der liebe Gott wurde abgesetzt,
mit Gruß nach Tuvalu verbannt.
Wir sind die wahren Erdenherrscher!
Gibt’s auf die Pole eigentlich Pfand?

Alibi-Gipfel, Menü beendet,
alle Mann zum Gruppenfoto!
Danach schnell die Hosen runter,
denn wir scheißen auf Kyoto!

Ach Tuvalu, unbedeutend kleines Tuvalu.
Du verstehst nicht unsere Welt.
Nicht die vierte, dritte, zweite – nein,
die erste, heile Welt.

Was soll’s denn wenn die Pole schmelzen?
Dann friert man halt die Hölle zu.
Und auf dem glatten Schwefelhaufen,
lässt sich’s noch super Schlittschuh laufen.

Seht Ihr die Zeichen?
Sehen wir sie?
Ökologische Pandemie.

Komm ins Boot, gehörst auch dazu.
Mit uns die Sintflut!
Bye Bye, Tuvalu…

Fuckushima

Quelle Titelbild: Jürgen Nießen / pixelio.de

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