Kinder? – Selbst schuld, Depp!


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Jüngst hat die Zeitschrift Eltern eine Studie in Auftrag gegeben, in der die Rolle des Mannes als moderner Vater beleuchtet werden soll.

Daraus geht hervor – etwas verkürzt dargestellt – dass immer noch zu viele Väter in Vollzeit arbeiten wollen würden, statt in Teilzeit Ihrer Pflicht als liebender und fürsorglicher Vater nachzukommen und zudem die Frau im Haushalt mit Putzarbeiten zu entlasten.

Ein Soziologe und „Väter-Experte“ (Sachen gibt’s?!) nannte diese Papas in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung einfach mal „Dinosaurierväter“. In gewisser Weise unterstellt er den Vätern also so etwas wie empathische Rückständigkeit und soziologische Entwicklungsresistenz.

Der stillende Vater

In einem Beispiel wird angeführt, dass immer noch meistens die Frau nachts das schreiende Kind trösten würde. Nur wer selbst Vater ist, kann den argumentativen Blödsinn in diesem Punkt entlarven. Dazu muss Mann nicht einmal selbst dem verzweifelten Versuch erlegen sein, das Kind an der behaarten Brust zu stillen.

Väter können viel: ernähren und trösten. Und zwar, liebe „Väter-Experten“: AM TAG!

Nachts ticken die Uhren anders, Babys und Kleinkinder erst recht. Mit der beruhigenden Aura einer Mama können zu dieser Zeit höchsten 20 Milligramm Propofol intravenös konkurrieren. In einer Zeit, in der aus lauter Panik vor ADHS ganze Pampers-Armeen bedenkenlos sediert werden, mag sich der eine oder andere nun denken: „Propofol? Na und?“.

Aber das wäre wieder ein anderes Thema.

Papa-Dinos also?

Nun, ich bin alles andere als ein Verfechter des sozial-archaischen Rollenmodells, nach dem sich Frau ohne jegliches Wertschätzungs-Echo in Haushalt und Kindererziehung krumm buckeln soll, während sich Mann als Karrierist selbst verwirklicht, nach getaner Arbeit die Füße auf den Tisch legt, das Bier entkorkt und den verdienten Feierabend als Couch-Fußballer genießt. Normal, er schafft ja schließlich auch die Kohle an.

Solche innerfamiliären Aufgabenteilungen mag es in Deutschland in unnötiger Menge geben. Es ist allerdings grotesk, darin den allgemeinen Status quo des modernen Familienbildes als Ergebnis einer Studie zu interpretieren.

Viele „moderne“ Väter helfen Teilzeit im Haushalt und erübrigen nahezu jede freie Minute, um für ihr Kind da zu sein. Dass es nicht in Vollzeit möglich ist, könnte eventuell daran liegen, dass die meisten Väter in Vollzeit arbeiten – und zwar arbeiten müssen. Es nervt, dass bei familienpolitischen Themen so leidenschaftlich über Familien gesprochen wird, anstatt mit ihnen. Und zwar über ihre Lebenswelt.

Kind? – Selbst schuld, Depp!

Vor allem in der Politik salbadern den Alltagsnöten des Bürgers völlig entrückte Abgeordnete gerne über Realitäten, die es in der Realität gar nicht gibt. Grotesk wird es, wenn die mannigfaltigen Probleme der heutigen familiären Lebens- und existenziellen Arbeitswelt auf die Floskel „Kind oder Karriere“ reduziert werden.

Wer heutzutage richtig „Karriere“ machen will, hat ein berufliches Ziel vor Augen, für das es sich in der Regel lohnt, in einem zeitlich begrenzten Rahmen auf die Zähne zu beißen. Egal ob Mann oder Frau: Für „Karriere“ muss diese Durststrecke eben irgendwie durchschritten werden. Am Ende zahlt es sich im wahrsten Sinne des Wortes auch aus.

Doch der Alltag kennt eben nicht nur Karrieristen. Es geht eben nicht nur um den Luxus der beruflichen Selbstverwirklichung. In den meisten Fällen geht es schlichtweg um existenzielle Notwendigkeit – und/oder das zu tun, was man kann. Nicht immer wird das fair entlohnt. Fragt mal eine Hebamme!

Familien als Sozialschmarotzer?

Gerade in einer Zeit, in der bei Lohn und Gehalt immer weniger Netto vom Brutto bleibt, während die Kaufkraft zusätzlich durch Inflation und Preissteigerungen geschwächt wird, klingt die „Entweder-oder“-Argumentation gegenüber Müttern und Vätern einfach nur asozial zynisch.

Kinder sind teuer. Teurer als so manch Kinderloser denken mag. Aber da man sich in der Regel aus Liebe und Überzeugung bewusst für Kind und Kosten entscheidet, sind es weniger die Familien, die diese Kosten der Gesellschaft vorrechnen. Vielmehr hat es immer häufiger den Anschein, als bekäme man erklärt, dass so ein Balg aufgrund des Kindergeldes doch eine formidable Geldanlage mit monatlich sozialschmarotzter Rendite sei.

Dagegen stehen die modernen Double-Income-no-Kids-Haushalte kaum in der Kritik. Hier werden ja erst jene hart arbeitenden Menschen steuerlich geschröpft, um verschwenderische Familienpolitik finanzieren zu können, klar.

Kinderliebe teuer bezahlt

Da man sich selbst noch keineswegs so einsam fühlen muss wie Will Smith als Dr. Robert Neville in „I am Legend“, verdrängt man eventuell schnell die rein mathematische Kausalität zwischen Kindern und Gesellschaft in Bezug auf existenzielle Persistenz. Deutschland ist in dieser Hinsicht weltweit unter fortschrittlichen Staaten wohl ideologisches Schlusslicht.

Während sich die einen mit doppeltem Gehalt und nur sich selbst verantwortlich ihr eigenes Leben leisten, leisten Familien einen Beitrag zum gesellschaftlichen Fortbestand. Sie bezahlen den Preis dafür bereitwillig. Und zwar länger als ein halbes Leben lang.

Vor diesem Hintergrund bekommen auch doppelverdienende Familien-Haushalte eine ganz andere Bedeutung. Das tradierte Modell des Mannes als Alleinernährer greift nicht mehr. Dafür ist das Leben mittlerweile selbst für anspruchslose Familien eben einfach zu teuer.

Denn entgegen der landläufigen Meinung, Familien bekämen finanzielle Förderung von Vater Staat rundgelutscht hinten reingeblasen, decken Kindergeld sowie das zeitlich begrenzte Elterngeld niemals die Aufwendungen.

Private KiTas kassieren ab

Diesen Anspruch an den Staat haben verantwortungsbewusste Eltern aber ohnehin nicht, er wäre vermessen. Doch was man von der Politik erwartet, ist die sinnvolle Gestaltung einer familienfreundlichen Infrastruktur. Gerade auch, aber nicht nur für Alleinerzieher.

Dies betrifft neben einer fairen Steuerpolitik vor allem das folgenschwere Versäumnis, über Jahrzehnte hinweg den Ausbau von bezahlbaren KiTas und Kindergärten total verpennt zu haben, wodurch einem privaten Markt mit aberwitzigen Wuchergebühren der Rote Teppich ausgerollt wurde, unter den man mit einem Schulterzucken gleich auch die infrastrukturellen Probleme kehren konnte.

Das Betreuungsgeld ist hier eine symbolpolitische Katastrophe, eine irrsinnsteure Idiotie, mit der sich bestenfalls familienfeindliche Agitatoren aufmunitionieren können, den Familien ansich hilft sie wenig.

Hilfreich wäre eine Politik, die Familien nicht über alle Maßen bevorteilt, aber wenigstens in ihrer perspektivischen Konsequenz nicht durchs Hintertürchen benachteiligt.

Und hilfreich wäre zudem eine gesellschaftliche Akzeptanz, die den arbeitenden Vater nicht als teilnahmslosen Samen- und Spesenspender stigmatisiert und die arbeitende Frau als karrieregeile Rabenmutter.

So, das Schlusswort überlasse ich meiner ältesten Tochter:

Hphpgpxohoj gpsogsosükg:-) gufk-xu öjv+lhkhpf+c phkf!!!

Bildquelle: S.v.Gehren / pixelio.de

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