Fridays for Future: Ignoranz und Arroganz der Polit-Anachronisten

In all den Jahren als Pendler habe ich eine sehr spezielle Beziehung zur Münchner S-Bahn entwickelt. Pannen und Zugausfälle in nervtötender Zuverlässigkeit. Und die Antwort auf die Frage, ob die Bahn denn heute mal pünktlich kommt, kann man am Bahnsteig auswürfeln. Aber ich habe das Pendeln auch zu schätzen gelernt, denn die S-Bahn ist immer auch Resonanzraum für Themen, die einen Journalisten im Wortsinn beschäftigen.

Und so saßen mir kürzlich von Isartor bis Feldkirchen in der S2 zwei rüstige Damen gegenüber, die sich über die „Fridays for Future“-Demo unterhielten. Im Grunde waren sie sich einig, fanden den Unterrichtsboykott der Schüler gut. Und eine der Damen kannte Herbert Grönemeyer. „Der hat schon recht gehabt mit dem ‚Kinder an die Macht‘.“

Das war wohlwollend gemeint, ist bei genauerer Betrachtung aber tatsächlich grundfalsch.

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Nazis im Fanblock: Chemnitz ist kein Einzelfall

Ein kompletter Fanblock trauert öffentlich um den verstorbenen Mitbegründer der rechtsextremen Hooligan-Gruppierung “HooNaRa” – Hooligans-Nazis-Rassisten. Der Verein deckt die Aktion und ein Spieler widmet irgendwie versehentlich seinen Torjubel dem weithin bekannten Neonazi Thomas Haller.

Dass der Chemnitzer FC erst nach der erwartbaren öffentlichen Reaktion nun so tut, als sei er Opfer und nicht mindestens duldender Mitwisser, kann als Indiz dafür gewertet werden, wie stark rechtsextreme Ideologie die Fankultur im ostdeutschen Fußball prägt. Längst sind die Fanblöcke auch Rekrutierungsraum für rechte Kader.

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Relotius: Die Reportage ist tot, lang lebe die Reportage!

Der Fall Claas Relotius ist beispiellos. Ich gebe zu, das ist eine Meinung, keine faktische Feststellung.

Denn natürlich kann niemand mit Gewissheit sagen, ob das geradezu kriminelle Erfinden eigener Realitäten im Genre der Reportage nicht doch System hat.

Die Auswüchse jedoch, wie sie Relotius zu verantworten hat, sollten einmalig sein. Ich kann allerdings verstehen, dass dem Genre nun eine gehörige Portion Misstrauen entgegengebracht wird.

Die Reportage gilt als Königsdisziplin des Journalismus, hier schreibt die Elite. Jedenfalls war das bis zum Skandal um Claas Relotius die vorherrschende Meinung innerhalb der Branche, die ihre schreibenden Helden mit Preisen dekorierte. Was nach Neid klingt, ist die Beschreibung von Tatsachen.

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Auf dem Irrweg: Journalismus ohne Haltung

Der Medienskandal um Claas Relotius hat eine schwelende Debatte über die Qualität des Journalismus in Deutschland neu befeuert. Und natürlich hat sie sich auch gerade am äußeren rechten Rand der Gesellschaft wieder von der Sachlichkeit verabschiedet. Nach “Systempresse” und “Lügenpresse” wurde das Vokabular für pauschale Verunglimpfungen um “Relotiuspresse” erweitert.

Dabei geht der Blick über die erfundene Wahrheit von Claas Relotius hinaus. Es geht um die Forderung nach Neutralität in absoluter Vollkommenheit. Nicht mehr nur um Wahrheit, der sich Relotius verweigerte, sondern um journalistische “Wahrhaftigkeit” an sich, die so abstrakt ist, dass Journalisten sie in der Realität nicht erfüllen können – und auch nicht erfüllen sollten.

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Liebe CSU, man muss jetzt hier doch mal was klarstellen

Liebe CSU,

angesichts der jüngsten Versuche, Zehntausende Teilnehmer der Großdemonstration von München zu diskreditieren, gilt es hier doch einmal etwas klarzustellen.

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Mesut Özil: Der Rassismus und die sprachliche Zombie-Apokalypse

Das muss man erst mal auf sich wirken lassen: 25.000 Menschen laut Polizei, 50.000 laut Veranstalter.

Zehntausende Menschen sind am Sonntag in München auf die Straße gegangen, um ein großartiges Zeichen zu setzen, gegen Rassismus, Ausgrenzung, politische Willkür – aber eben auch gegen die zunehmende Verrohung unserer Gesellschaft sowohl in Worten als auch Taten.

Denn es ist nicht selten zuallererst das Wort, dass Hass und Bösartigkeit zum Ausdruck bringt, bevor es von Hassenden und Bösartigen in Taten umgesetzt wird.

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Rassismus, Hass und soziale Ungerechtigkeit – Bayern hat nun „mut“

Ein Tag im Juni 2018.
Auf einem Marktplatz in Dresden stehen Menschen. Keine kahlrasierten Stereotypen eines Springerstiefel-Nazis. Männer, Frauen – auffällig wenige junge Menschen. Normal gekleidet, normale Menschen. Doch der Schein trügt, und zwar gewaltig.
Nichts ist normal. Es ist Pegida.

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Europa, verdammt noch mal, Europa!

Was passiert hier gerade? Was… tun wir?

Wie schnell konnten wir vergessen?

Oder ist es gar viel schlimmer? Wir haben nicht vergessen. Uns ist die Erinnerung nur scheißegal.

Egal die Verantwortung, das Fanal der Vergangenheit, dem wir uns für alle Zukunft verpflichten wollten.

Gemeint sind 80 Millionen Tote, eher mehr. Zwei Weltkriege, der Holocaust, zu viele entsetzliche Lehren – und eine Chance: Europa.

Wir aber zeigen auf erbärmliche Weise, dass wir diese epochale Chance nicht verdienen.

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Lieber Fatih, Du fragst, ob Du Deutscher sein darfst – ich will Dir antworten

„Ich bin in München geboren.“

Mit diesen Worten beginnt ein bemerkenswerter Text von Fatih Demireli.

Der Chefredakteur und Herausgeber des Sportkulturmagazins „Socrates“ hatte ihn im Zuge der Debatte um Mesut Özil und Ilkay Gündogan verfasst. Eine Debatte, die politisch aufgeladen und weder von Spielern noch dem DFB je aufgearbeitet worden war. Als Folge entkoppelte sie sich nach dem WM-Aus von der Sachlichkeit und eskalierte in stumpfem Alltagsrassismus, der mit erschreckender Selbstverständlichkeit öffentlich wurde. Fatih Demireli verweist auf seine deutsche Staatsbürgerschaft und seine türkischen Wurzeln und schließt mit der Frage: „Darf ich Deutscher sein?“

Ich wollte diese Frage nicht unbeantwortet lassen, sie hat eine klare Antwort verdient – und darüber hinaus der klaren Worte mehr.

Lieber Fatih,

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Deutschland ist in Gefahr – die Bedrohung ist ernst

Liebe Bundesregierung,

nur eine Kleinigkeit, die im Alltag allerdings schwer ins Gewicht fällt, weil sie im Gegensatz zu diffusen Ängsten doch sehr real ist.
Ihr von der CSU habt recht, Deutschland ist dem Untergang geweiht, der Rechtsstaat schafft sich ab.

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