Relotius: Die Reportage ist tot, lang lebe die Reportage!

Der Fall Claas Relotius ist beispiellos. Ich gebe zu, das ist eine Meinung, keine faktische Feststellung.

Denn natürlich kann niemand mit Gewissheit sagen, ob das geradezu kriminelle Erfinden eigener Realitäten im Genre der Reportage nicht doch System hat.

Die Auswüchse jedoch, wie sie Relotius zu verantworten hat, sollten einmalig sein. Ich kann allerdings verstehen, dass dem Genre nun eine gehörige Portion Misstrauen entgegengebracht wird.

Die Reportage gilt als Königsdisziplin des Journalismus, hier schreibt die Elite. Jedenfalls war das bis zum Skandal um Claas Relotius die vorherrschende Meinung innerhalb der Branche, die ihre schreibenden Helden mit Preisen dekorierte. Was nach Neid klingt, ist die Beschreibung von Tatsachen.

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Auf dem Irrweg: Journalismus ohne Haltung

Der Medienskandal um Claas Relotius hat eine schwelende Debatte über die Qualität des Journalismus in Deutschland neu befeuert. Und natürlich hat sie sich auch gerade am äußeren rechten Rand der Gesellschaft wieder von der Sachlichkeit verabschiedet. Nach “Systempresse” und “Lügenpresse” wurde das Vokabular für pauschale Verunglimpfungen um “Relotiuspresse” erweitert.

Dabei geht der Blick über die erfundene Wahrheit von Claas Relotius hinaus. Es geht um die Forderung nach Neutralität in absoluter Vollkommenheit. Nicht mehr nur um Wahrheit, der sich Relotius verweigerte, sondern um journalistische “Wahrhaftigkeit” an sich, die so abstrakt ist, dass Journalisten sie in der Realität nicht erfüllen können – und auch nicht erfüllen sollten.

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