Auf dem Irrweg: Journalismus ohne Haltung

Der Medienskandal um Claas Relotius hat eine schwelende Debatte über die Qualität des Journalismus in Deutschland neu befeuert. Und natürlich hat sie sich auch gerade am äußeren rechten Rand der Gesellschaft wieder von der Sachlichkeit verabschiedet. Nach “Systempresse” und “Lügenpresse” wurde das Vokabular für pauschale Verunglimpfungen um “Relotiuspresse” erweitert.

Dabei geht der Blick über die erfundene Wahrheit von Claas Relotius hinaus. Es geht um die Forderung nach Neutralität in absoluter Vollkommenheit. Nicht mehr nur um Wahrheit, der sich Relotius verweigerte, sondern um journalistische “Wahrhaftigkeit” an sich, die so abstrakt ist, dass Journalisten sie in der Realität nicht erfüllen können – und auch nicht erfüllen sollten.

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Lieber Fatih, Du fragst, ob Du Deutscher sein darfst – ich will Dir antworten

„Ich bin in München geboren.“

Mit diesen Worten beginnt ein bemerkenswerter Text von Fatih Demireli.

Der Chefredakteur und Herausgeber des Sportkulturmagazins „Socrates“ hatte ihn im Zuge der Debatte um Mesut Özil und Ilkay Gündogan verfasst. Eine Debatte, die politisch aufgeladen und weder von Spielern noch dem DFB je aufgearbeitet worden war. Als Folge entkoppelte sie sich nach dem WM-Aus von der Sachlichkeit und eskalierte in stumpfem Alltagsrassismus, der mit erschreckender Selbstverständlichkeit öffentlich wurde. Fatih Demireli verweist auf seine deutsche Staatsbürgerschaft und seine türkischen Wurzeln und schließt mit der Frage: „Darf ich Deutscher sein?“

Ich wollte diese Frage nicht unbeantwortet lassen, sie hat eine klare Antwort verdient – und darüber hinaus der klaren Worte mehr.

Lieber Fatih,

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Asylstreit: Die CSU tappt in die AfD-Falle

Es ist ein beispielloses Schauspiel, welches das bayerische Volkstheater CSU unter ihrem Intendanten Horst Seehofer dieser Tage in Berlin aufführt.

Eine historische Posse, die alles in den Schatten stellt, was sich einst Franz Josef Strauß an Streitigkeiten mit der CDU unter Helmut Kohl geleistet hatte.

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WM 2018, Deutschland und die AfD: Schland unter!

Wenige Tage vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft macht mir ein Anachronismus zu schaffen. Ein Widerspruch der Emotionen, das Ringen zwischen der Nüchternheit von Heute und der Leidenschaft von einst.

Da sind die Erinnerungen. Sie riechen nach Gartengrill und den “Atika“-Zigaretten meines Vaters, schmecken nach Karamalz und Ed von Schleck. Panini-Bildertausch im Klassenzimmer, die “Hand Gottes“ 1986 und Guido Buchwald, der ihr vier Jahre später auf die Finger klopft.

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Horst Seehofer und der Islam: Viva la Reconquista!

 

Horst Seehofer sagt, es sei eine „große Aufgabe“, die Spaltung Deutschlands zu überwinden.

Worauf er dabei abzielt, ist kein Geheimnis.

Die vollständige Rückeroberung der konservativen Deutungshoheit von der AfD ist schließlich eine Obsession der CSU.

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SPD: NoGroKo oder „Weiter so“?

Seit diesem Dienstag also können 463.723 SPD-Mitglieder per Briefwahl darüber abstimmen, ob man sich Angela Merkel erneut für eine Große Koalition zur Verfügung stellt oder ob man sich einer neuen GroKo verweigert.

Beide Seiten haben ihre Gründe dargelegt. Dass die SPD-Spitze den Wahlunterlagen kurzerhand einen dreiseitigen Beipackzettel für die „korrekte“ Anwendung untergeschoben hat, ist zwar bemerkenswert dreist. Diese Peinlichkeit sollte aber nicht als entscheidendes Foulspiel überbewertet werden.

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