Mesut Özil: Der Rassismus und die sprachliche Zombie-Apokalypse

Das muss man erst mal auf sich wirken lassen: 25.000 Menschen laut Polizei, 50.000 laut Veranstalter.

Zehntausende Menschen sind am Sonntag in München auf die Straße gegangen, um ein großartiges Zeichen zu setzen, gegen Rassismus, Ausgrenzung, politische Willkür – aber eben auch gegen die zunehmende Verrohung unserer Gesellschaft sowohl in Worten als auch Taten.

Denn es ist nicht selten zuallererst das Wort, dass Hass und Bösartigkeit zum Ausdruck bringt, bevor es von Hassenden und Bösartigen in Taten umgesetzt wird.

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Lieber Fatih, Du fragst, ob Du Deutscher sein darfst – ich will Dir antworten

„Ich bin in München geboren.“

Mit diesen Worten beginnt ein bemerkenswerter Text von Fatih Demireli.

Der Chefredakteur und Herausgeber des Sportkulturmagazins „Socrates“ hatte ihn im Zuge der Debatte um Mesut Özil und Ilkay Gündogan verfasst. Eine Debatte, die politisch aufgeladen und weder von Spielern noch dem DFB je aufgearbeitet worden war. Als Folge entkoppelte sie sich nach dem WM-Aus von der Sachlichkeit und eskalierte in stumpfem Alltagsrassismus, der mit erschreckender Selbstverständlichkeit öffentlich wurde. Fatih Demireli verweist auf seine deutsche Staatsbürgerschaft und seine türkischen Wurzeln und schließt mit der Frage: „Darf ich Deutscher sein?“

Ich wollte diese Frage nicht unbeantwortet lassen, sie hat eine klare Antwort verdient – und darüber hinaus der klaren Worte mehr.

Lieber Fatih,

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WM 2018, Deutschland und die AfD: Schland unter!

Wenige Tage vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft macht mir ein Anachronismus zu schaffen. Ein Widerspruch der Emotionen, das Ringen zwischen der Nüchternheit von Heute und der Leidenschaft von einst.

Da sind die Erinnerungen. Sie riechen nach Gartengrill und den “Atika“-Zigaretten meines Vaters, schmecken nach Karamalz und Ed von Schleck. Panini-Bildertausch im Klassenzimmer, die “Hand Gottes“ 1986 und Guido Buchwald, der ihr vier Jahre später auf die Finger klopft.

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